Weiterbildungsinstitutionen lernend entwickeln (Teil 1)

Wie ein Projekt zum Leben erwacht,
weil es die Interessen der Teilnehmer berührt.


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Globalisierung, Hochtechnologie und automatisierte Produktionsabläufe haben im zurückliegenden Jahrzehnt zu gravierenden Veränderungen am globalen Beschäftigungsmarkt geführt. Schnellere Technologiewechsel und kürzere Produktionszyklen in hochdynamischen Märkten bewirken eine anhaltende Differenzierung und Verschmelzung aber auch Neuentwicklung von Berufen und Tätigkeiten, welche sich immer wieder verändern.

Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens als Voraussetzung für dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit ist in diesem Zusammenhang nicht nur den Absolventen von Akademien und Weiterbildungsinstitutionen ver-schiedener Qualifikationsstufen ins Bewusstsein gerückt. Ebenso erkennen das auch zunehmend die Dozenten, Ausbilder und Personalentwickler als eine Herausforderung an die Veränderung ihrer bisherigen Arbeitsweise. Ihr inhaltlicher und methodischer Vorlauf bei der Wissensgenerierung und der Wissensvermittlung ist zu einem Eckpfeiler für die Kompetenzentwicklung der Beschäftigten geworden.

Es zeichnet sich jedoch ab, dass bei der Umgestaltung des deutschen Berufsausbildungs- und Weiterbildungsmarktes nur jene Dienstleister weiterhin am Marktgeschehen erfolgreich sein werden, welche durch die Beherrschung flexibler Technologien zur Generierung und Vermittlung von aktuellen Lehrinhalten, insbesondere aber durch die Befähigung des Lernenden zum selbstständigen lebensbegleitenden Lernen in der Lage sind.

Im Projekt: „Weiterbildungsinstitutionen / Personalentwicklungsdienst-leister lernend entwickeln“ (WLE) einem Teilvorhaben von „Appolonius! Lernende Region Marzahn Hellersdorf“, haben sich deshalb 10 Weiter-bildungsinstitutionen / Personalentwicklungsdienstleister aus Marzahn Hellersdorf der Herausforderung gestellt, gemeinsam durch kooperatives Erfahrungslernen  den Paradigmenwechsel vom Maßnahmeträger zum marktwirtschaftlich agierenden Anbieter von Weiterbildungsdienstleis-tungen zu bewältigen.


Vor welchen Handlungserfordernissen stehen die Bildungsdienstleister?

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Während der 1. Erfahrungswerkstatt wurden folgende Aspekte einer veränderte Marktsituation für Bildungsdienstleister identifiziert:

  • Die Vergabe von Aus- und Weiterbildungsaufträgen wird zukünftig nicht mehr im gleichen Umfang durch staatliche Institutionen erfolgen.
  • Die Bildungsdienstleister stehen somit vor der Aufgabe, selbständig im Zusammenspiel mit der Wirtschaft neue Dienstleistungsaufträge zu ak-quirieren.
  • Um jedoch zukünftig noch flexibler auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren, ist es notwendig, noch individuellere Leistungen anzubieten und diese zugleich mit den Methoden einer modernen Lernbegleitung zu verbinden.
  • Ausgehend von einer exakten Marktanalyse und ständiger Beobachtung der Bedarfsentwicklung müssen zukünftig flexibel variierbare Lernmodu-le angeboten werden, die im Rahmen einer erfahrungsorientierten wert-schätzenden interaktiven Lehrtätigkeit vermittelt werden.
  • Diese gezielte Akquisition und Vermarktung von Bildungsdienstleistungs-produkten setzt jedoch eine noch engere Zusammenarbeit mit Praxispartnern aus der Wirtschaft voraus. Der neue Typ von Bildungsdienstleistungen lässt sich als „Weiterbildung auf Anfrage des Marktes“ beschreiben.

 Aus Konkurrenten werden Partner

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Schon mit der 1. Erfahrungswerkstatt gewannen die Teilnehmer überraschende Erkenntnisse über Möglichkeiten und Chancen einer Kooperation zwischen den Wettbewerbern. Trotz vorhandener Konkurrenzsituation, es wurde deutlich, dass gerade in kritischen Situationen lokale Wettbewerber miteinander kooperieren müssen und auch können, um sich gegenseitig für den globalen Wettbewerb zu stärken.

Die teilnehmenden Weiterbildungsinstitutionen / Personaldienstleister kamen übereinstimmend zu der Auffassung, dass eine einseitige Technikorientierung in Aus- und Weiterbildung ins Abseits führt. Neue Arbeitsplattformen im Internet, sowie Computer, Programme oder andere technische Hilfsmittel sind Werkzeuge, die die Aus- und Weiterbildung zwar wesentlich verändern und auch befördern können, aber letztlich Werkzeuge bleiben.

Ziel und Gegenstand der Aus- und Weiterbildung sind und bleiben die konkreten Menschen in allen Alterstufen, Arbeitsprozessen und Tätigkei-ten. Dem entsprechend kann und muss der Erfolg von Aus - Weiterbildung nicht nur an der Beherrschung dieser Werkzeuge, sondern vor allem an den erworbenen Qualifikationen, insbesondere aber  an der Kompetenzentwicklung – als Fähigkeit der Umsetzung der Ergebnisse von Aus- und Weiterbildung im Handeln der Manschen  - und ihrer Persönlichkeitsentwicklung gemessen werden.

Die Nachhaltigkeit des Erfolgs von Aus- und Weiterbildung zeigt sich immer erst im Handeln der Lernenden in den verschiedenen Arbeits- und Lebenssituationen.


Wie das Projekt entstand ?

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Im Rahmen des Verbundprojektes „Appolonius! – Lernende Region Marzahn - Hellersdorf“ führten Mitarbeiter der Core Business Development GmbH –Institut für Produkt- und Prozessinnovation, Berlin in Kooperation mit KIP (Freiwilliger Zusammenschluss von Weiterbildungsinstitutionen aus Berlin- Eastside) Interviews zum Entwicklungsbedarf regionaler Weiterbildungs-einrichtungen aus dem Raum Berlin – Eastside durch.

Die Befragung weckte schon bald das Interesse der Weiterbildungs-dienstleister, welche auf eine Vertiefung der Analyse drängten und sich zur Durchführung von kooperativen Erfahrungswerkstätten verabredeten.

Das Ziel dieser Werkstattarbeit war es:

  • die Methodik des prozessoffenen kooperativen Erfahrungslernens anzuwenden (Expertendialoge, Erfahrungsgeschichten)
  • Inhalte entsprechend dem Bedarf der Teilnehmer gemeinsam zu erarbeiten und entsprechend zu modifizieren und umzusetzen
  • die Moderation von Erfahrungen im Rahmen einer speziellen Dialogform zur Wissensgenerierung und dem Wissenstransfer zu organisieren
  • ausgehend von gemeinsamen Interessen gemeinsame Projekte zu verabreden
  • eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Einrichtungen durch Kompetenzgewinn aus dem gemeinsamen Erfahrungslernen zu erlangen.


Kooperationsverhandlungen - Die 4 Phasen der Annäherung

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Obgleich allen Teilnehmern bewusst war, dass sie sich als Wettbewerber begegneten, fanden sich doch recht schnell inhaltliche Berührungspunkte, an denen der Erfahrungsaustausch anknüpfte. So entstand schon bald ein thematisches und informelles Netzwerk. Es konnten 4 Phasen der Annäherung identifiziert werden. 

  • Positionsbestimmung:   Vorsichtiges Interesse basierend auf Neugier, die Angst etwas zu ver-passen, Claims wurden erkundet bzw. abgesteckt, Wertschätzung wurde gegenseitig signalisiert.
  • Interesse durch Feedback:  Zugewinn an Vertrauen durch wertschätzende und offene Dialoge über Projekte und konkrete Erfahrungen.
  • Kooperatives Vertrauen entsteht:  weiterer Abbau von Barrieren und wachsende Erwartung, durch Syner-gieeffekte zu jeweils konkreten Handlungsableitungen zu kommen,
  • Gemeinsame Aktivitäten:
    -> Einrichtung einer gemeinsamen geschlossenen Arbeitsplattform (Sha-repointserver) im Internet durch eine Projektpartnerschaft mit der Senas AG. Dort wurden Dokumente, Protokolle, Berichte, Materialsammlungen, als auch Publikationshinweise und Literaturquellen für die gemeinsame Arbeit hinterlegt und genutzt. -
    -> Verabredung und Recherche möglicher längerfristiger Projekte (Aufbau einer gemeinsamen Datenbank für preiswerte Lernsoftware, Generie-rung eines gemeinsamen Dozentenpools, zur Erfassung von themati-scher Orientierung, Auslastung und Qualität der Arbeit von Lehrbeauftragten)..